Wieso die Filmbranche auf Mallorca zu wünschen übrig lässt

Wie die Politik eine chancenreiche Branche auf Mallorca zugrunde richtet.

Die schönsten Kulissen haben einen großen Nachteil: Hinter ihnen liegt fast immer die unansehnliche Realität der Bühne. Dieses Bild lässt sich leider auch auf die Balearen im allgemeinen und Mallorca im Besonderen übertragen.

Als Location für Film- und Fotoproduktionen könnte es kaum einen besseren Standort geben: Meer, Berge, herrliche Lichtverhältnisse und ein bis auf wenige Ausnahmen berechenbares Klima. Doch hinter den objektiven, greifbaren Vorteilen der Inseln als Produktionsort liegt ein Fundus, der ungeordneter und nutzloser nicht sein könnte. Das liegt nicht an den Film- und Fotoschaffenden oder am mangelnden Interesse der Medien und Produktionsfirmen. Es sind einmal mehr eine verfehlte, unkoordinierte Politik und mangelnder Sachverstand, die das frühzeitige Ende einer chancenreichen Branche unüberhörbar eingeläutet haben. Das schmerzt vor allem deshalb, da kreative Köpfe mehr als genug vorhanden sind. Ihnen fehlt es alleine an Unterstützung.

Vetrauen verloren

„Geht nicht zum Drehen nach Mallorca“, warne man bereits hinter vorgehaltener Hand innerhalb der Filmbranche in den USA. Das verrät uns Germán Traver, seines Zeichens Leiter des Location Departments bei der Produktionsgesellschaft Palma Pictures und Präsident der Audiovisuellen Vereinigung der Balearen, CLAB. Grund seien die immer noch nicht gezahlten 150.000 Euro für den Blockbuster „Cloud Atlas“. Der Film sei ein Geschenk für die Filmindustrie auf Mallorca und den Balearen gewesen, sagt Traver. „Aber man hat diesen Boom nicht genutzt.“ Mehr noch: Die Inseln hätten seitdem als Produktionsort national und international an Vertrauen eingebüßt.
Ähnlich äußert sich auch Oliver Henandez von der Produktionsfirma Looping. Mallorca habe damals eine große Chance verpasst. Es sei unbegreiflich, dass eine Regierung geradezu sträflich gegen ihre eigenen Interessen handele, so Hernandez.

Ballywood schließt mal eben

Den Inselrat allein in die Verantwortung zu nehmen, wäre allerdings zu einfach. Die Balearenregierung präsentiert nur allzu gern ihre Illes Baleares Film Comisión (IBFC), die sich, nach eigenen Angaben, für die „Förderung von Produktionen auf den Inseln“ einsetzt. Die Art der Förderung ist allerdings nur schwer nachvollziehbar und auch innerhalb der Kommission eher unbekannt. Denn die IBFC ist aktuell praktisch nicht existent. Eine im Aufbau befindliche Website (Stand: ende März 2015) weist darauf hin, bald wieder verfügbar zu sein. Eine Telefonnummer sucht man vergeblich, auch ein Impressum mit Büroanschrift ist nicht vorhanden. Kann so eine vertrauensvolle Grundlage zwischen interessierten Filmschaffenden aus dem In- und Ausland und den Balearen geschaffen werden? Immerhin reagiert man auf unsere e-Mail Anfrage. Die Leiterin, Pilar Garcés, sei derzeit im Mutterschutz und deshalb ein Kontakt schwierig.
Klar, man muss Prioritäten setzen. Ist Nachwuchs unterwegs, schließt „Ballywood“ kurzerhand die Pforten und ist nicht mehr aktiv. Können sich das die Balearen erlauben?

Aufgaben endlich wahrnehmen

„Nein“, sagt Germán Traver. „Vor allem, wenn man den europäischen Markt betrachtet.“ In Deutschland, Frankreich, England und auch Kroatien entwickelten sich wirtschaftliche Handwerkszeuge, die eine Zusammenarbeit zwischen Filmindustrie und Verwaltungsapparat ermöglichen und erleichtern. Hier unterstütze die Politik die Filmschaffenden, sei Ansprechpartner, Motor und Chancengeber. Ein solches System fehle sowohl den Balearen als auch Spanien.

Es ist übrigens nicht so, dass die Branche die IBFC grundsätzlich kritisiert. Die Einrichtung sei wichtig, die Idee gut, so Traver weiter. Sie müsse nur endlich ihre Aufgaben wahrnehmen. Insgesamt 15 Treffen mit den Verantwortlichen seien bislang ergebnislos verlaufen. Auch Oliver Hernandez kritisiert die fehlende Unterstützung seitens offizieller Stellen. Allenfalls bei der Hilfe zum Erhalt von Drehgenehmigungen könne man auf die Kommission oder das Palma Film Office zurückgreifen. “Ansonsten ist nicht viel los”, sagt der Produzent und fügt an: “Die Arbeit muss viel mehr umfassen.” Hier darf der von der IBFC für sich selbst gesetzte Anspruch einer Förderung ruhig einmal wörtlich genommen werden. Die Kommission muss sich zeigen, muss präsent sein, auf Festivals, auf Messen, im Bereich Online-Marketing. Mallorca muss attraktiv gemacht werden – hinter den Kulissen, an seiner Basis, dem unansehnlichen Gerüst. Doch wie soll das funktionieren, wenn die Entscheider so viel Ahnung von der Materie Film haben, wie ein Automechaniker vom Brötchenbacken?

Fehlende Identität

Das eigentliche Problem ist, nicht zuletzt, die Tatsache, dass sich die Verantwortlichen ihrer Verantwortung und Identität offenbar nicht bewusst sind. Bei einem jährlichen Budget von 100.000 Euro ist das auch nicht einfach. Via Mail teilt uns Pilar Garcés mit, dass die IBFC kostenlos arbeite. Als Gegenleistung verlange man aber, dass das Logo der Kommission im Abspann der Produktionen erscheint. Damit wird klar, um was es bei diesem Projekt eigentlich geht: Die IBFC hat wenig mit der Förderung der Filmbranche zu tun, sondern ist vielmehr ein Instrument der Tourismus-PR. Denn das angesprochene Logo zeigt dasjenige der Balearenwerbung.

Kritik an Zuständen ist nichts wert, wenn nicht gleichzeitig Lösungsvorschläge bestehen würden. Und hier macht Germán Traver klare Vorgaben: „Der Inselrat muss umgehend die 150.000 Euro für „Cloud Atlas“ bezahlen.“ Und die Inseln müssten sich erneut öffnen, international neues Vertrauen schaffen. Traver fügt an: „Man kann das Problem nicht lokal lösen.“
Und was sagt der Inselrat zu den Schulden an Hollywood? „Kein Kommentar.“ Er bleibt sich treu: Sprachlosigkeit auf allen Ebenen.

Letzte Änderung am Donnerstag, 10 Dezember 2015 15:12
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4 Kommentare

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