Der Kopf der schlauen Köpfe – Llorenç Huguet, Uni-Rektor der UIB in Palma

Uni-Rektor Llorenç Huguet über das Studienangebot für Ausländer, Sprachenstreit und Bildungspolitik.

Professor Llorenç Huguet ist seit Mai 2013 Rektor der Universität der Balearen (UIB). Ein Amt, dass der studierte Mathematiker und Informatiker bereits zwischen 1995 und 2003 bekleidete. Huguet ist, neben seiner Funktion als Dozent und Universitätsleiter, Mitautor zahlreicher Fachbücher und seit dem Jahre 2000 Mitglied der Akademie der Wissenschaften “Pedro I” von Sankt Petersburg.

Herr Professor, was unterscheidet die UIB von anderen Universitäten?
Als erstes natürlich die besondere Insellage. Zudem die Nähe zum Welterbe Serra de Tramuntana. Zu nennen ist aber auch die Erreichbarkeit, gerade für junge Menschen auf Mallorca und den Nachbarinseln. Im Jahre 1997 haben wir je einen zusätzlichen Campus auf Ibiza und Menorca geschaffen, wo zahlreiche Kurse in Kombination mit dem Studienangebot auf Mallorca geschaffen wurden.

Warum kommen Studenten aus dem Ausland nach Mallorca? Ist es die Lage der Universität, oder sind es doch die Bildungs- und Forschungsangebote der UIB?
Die meisten Studenten kommen von den Balearen, wir haben lediglich einen Anteil von aktuell 12% ausländischer Studenten. Doch gerade die schätzen die hoch qualifizierten Dozenten und die interessanten und bedeutenden Forschungsarbeiten an der UIB. Wir nehmen am ERASMUS-Programm teil, dem weltweit größten Austauschprogramm an Universitäten. Zudem freuen wir uns über international anerkannte und bekannte Lehrkräfte und Professoren, deren arbeiten immer wieder große Beachtung finden.

Beim Thema Ausland darf es erlaubt sein, die immer noch bestehende Sprachenproblematik auf Mallorca bzw. den Balearen anzusprechen. Ist die Debatte Ihrer Ansicht nach gerechtfertigt?
Ja. die diskussion hat nicht nur philosophische und intellektuelle Gründe, sondern bezieht sich vor allem auf die Persönlichkeit der Baleareneinwohner. Die Geschichte der Diskussion ist eine Geschichte der Unterdrückung der eigenen Sprache. Mit der Demokratisierung Spaniens wurde die Sprache wieder zu einem Identitätsmerkmal, nicht nur für die Balearen. Auf den Insel sind die Amtssprachen Katalanisch und Kastellanisch. Das bedingt natürlich, dass die UIB diese Werte auch schützt und bewahrt. Wir möchten und müssen die Studenten sprachlich dort abholen, wo sie stehen und dürfen ihnen keine Vorgaben machen. Mehrsprachigkeit ist, nicht zuletzt, ja auch ein Wert. Und, glauben sie mir, das Miteinander von Katalanisch und Kastellanisch verursacht in der Realität weit weniger Probleme, als oftmals beschrieben.

Werden, bezogen auf die Sprachen, Traditionen die Zukunft bestimmen, oder bestimmt eher die Zukunft die Traditionen?
Veränderungen wird es immer geben, und das aus ganz unterschiedlichen Gründen. Ich denke aber, dass, solange die Eltern Traditionen, wie eben auch die Sprache, an ihre Kinder weitergeben, diese Traditionen eben auch fortbestehen. Das ist ähnlich, wie bei den vielen Fiestas auf den Inseln.

Bleiben wir bei der Zukunft. Wo sehen Sie hier die Chancen der UIB?
Ich glaube, eine der Stärken der UIB liegt im Bereich Forschung. Unsere Wissenschaftler sind hochqualifiziert und werden auch weiterhin auf internationaler Ebene tätig sein. Diese Ressourcen gilt es, zu erhalten. Unsere Dozenten haben sehr viele Kontakte zu anderen Universitäten und Forschungseinrichtungen, vor allem innerhalb Europas, speziell auch Deutschlands, so dass eine wunderbare Basis vorhanden ist. Die Weitergabe von Wissen und Erkenntnissen hat für uns eine große Bedeutung. Zudem planen wir in absehbarer Zeit die Einrichtung weiterer Fakultäten.

Gibt es auch Probleme, mit denen sich die UIB künftig auseinandersetzen muss?
Natürlich, nämlich das alles in die Tat umzusetzen. Nein, im Ernst, das größte Thema, nicht nur für die UIB, ist die Finanzierung vieler Projekte und Forschungsarbeiten. Außerdem werden wir uns mit dem Matrikualtionssystem beschäftigen müssen. Die Universität oder besser universitäre Bildung muss für jeden zugänglich sein, unabhängig von sozialer Herkunft oder wirtschaftlicher Situation. Schließlich gilt es auch, weitere Kontakte zu anderen Universitäten zu schaffen. Die Insellage darf dabei kein Hindernis darstellen. Der Flughafen von Palma bietet beste Anbindungen an Europa.

Herr Professor Huguet, ist der Job als Rektor der UIB ein Traumjob?
Ich weiß nicht, ob es ein Traumjob ist. Aber es ist eine faszinierende Aufgabe, vor allem für jemanden, der die Universität praktisch wie sein eigenes Haus betrachtet. Ich finde es schön, als Universitätsleiter junge Menschen in ihre Zukunft zu begleiten und diese mitgestalten zu dürfen.

Februar 2015

Letzte Änderung am Freitag, 08 Januar 2016 08:42
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